Altbau klimafit machen: Sanierung belohnen, Kosten fair verteilen
Neue Regeln sollen dafür sorgen, dass sich Sanieren im Altbau wieder lohnt und dass die Rechnung fair zwischen Vermietenden und Mietenden geteilt wird.

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Altbauten sind zwar oft charmant, aber auch echte „Energie-Schlucker“. Wenn Wärme durch schlecht gedämmte Wände, alte Fenster oder ein ineffizientes Heizsystem entweicht, friert man trotzdem und zahlt am Ende auch noch drauf. Genau hier setzt die aktuelle politische Debatte an: Österreich will seine Klimaziele erreichen und dafür muss der Gebäudebestand, also die bereits gebauten Häuser, Schritt für Schritt klimafit werden.
Der Weg dahin ist klar: Es braucht einen gesetzlichen Rahmen, der die ökologische Sanierung im Altbestand beschleunigen soll und zwar so, dass Energiequalität künftig bei der Mietzinsbildung – also wie Mieten berechnet und erhöht werden dürfen – eine Rolle spielt. Gleichzeitig soll geklärt werden, wie die Kosten für thermische Sanierung (z. B. Dämmung, Fenstertausch) und Dekarbonisierung (weg von Öl und Gas hin zu klimafreundlicher Wärme) fair und sozial ausgewogen verteilt werden können.
Um unsere gemeinsamen europäischen Klimaziele zu erreichen, setzen wir die Gebäudeeffizienzrichtlinie um. Demnach muss der gesamte Gebäudebestand bis 2050 klimafit, kosten- und energieeffizient werden – eine Herkulesaufgabe, die Mut für neue Konzepte und ein faires Zusammenspiel der öffentlichen und privaten Hand voraussetzt.
Sanierungsdruck auf den Altbestand
Altbau-Sanierung ist ein klassischer Zielkonflikt: Sie ist teuer, aber Aufschieben wird langfristig oft noch teurer, weil Energieverbrauch, CO₂-Ausstoß und Betriebskosten hoch bleiben. Dazu kommt: Sanieren im bewohnten Haus ist komplizierter als am Reißbrett. Man kann nicht einfach „Pause drücken“, wenn Menschen dort leben.
In den 2030er-Jahren kommt ein massiver Sanierungsdruck auf den Altbestand zu, vorallem die energetisch schlechtesten Wohngebäude müssen im Einklang mit europäischen Klimavorschriften saniert werden. Darum braucht es Regeln, die zwei Dinge gleichzeitig schaffen:
- Sanierung soll sich auszahlen, damit sie überhaupt passiert.
- Wohnen muss leistbar bleiben, damit die Sanierung nicht zur sozialen Belastungsprobe wird.
Genau diese Balance – Anreiz und Schutz – ist der Kern dessen, was jetzt verhandelt wird.
Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, das anzugehen. Mit unserem Konzept setzen wir einen Impuls für die Bauwirtschaft, steigern die Qualität des Altbestandes und erhöhen bzw. sichern das Angebot an fairen Mieten. Jetzt gilt es, das Konzept mit den Koalitionspartnern gut in Umsetzung zu bringen.Janos Juvan
NEOS-Sprecher für Bauten und Wohnen
Was politisch als Nächstes passieren soll
Eine Expert:innengruppe mit relevanten Stakeholdern (also Betroffenen und Fachleuten) erarbeiten gerade einen Vorschlag. Ziel ist eine Lösung, die die Kosten fair verteilt und gleichzeitig einen Mechanismus enthält, der Sanieren wirtschaftlich attraktiver macht als Nichtstun.
Aber selbst, wenn Geld und Wille da sind, scheitern Maßnahmen im Bestand oft an der Umsetzung. Deshalb ist auch eine Ausweitung der Duldungspflichten vorgesehen: Mietende müssen bestimmte Arbeiten zulassen, wenn sie rechtlich klar erlaubt und sachlich begründet sind. Ohne eine derartige Regel drohen Sanierungen in der Realität im Stiegenhaus stecken zu bleiben, weil Zuständigkeiten, Zugänge und Rechte unklar sind.
NEOS bringen klare Standards, echte Anreize und faire Regeln ein
Wenn Sanierung und Dekarbonisierung politisch gewollt ist, muss sie im Mietrecht so abgebildet werden, dass Qualität zählt und nicht nur ein „saniert“-Pickerl. Deshalb setzt unser Vorschlag auf einen klaren Maßstab und auf einen spürbaren Anreiz dort, wo das heutige System oft bremst: beim Richtwert, der gesetzlichen Miet-Obergrenze im Altbau, je nach Bundesland, mit Zu- oder Abschlägen.
Unser NEOS-Vorschlag umfasst drei Punkte:
- Wer ökologisch hochwertig saniert, soll nicht automatisch an die derzeitig geltende Richtwertlogik gebunden bleiben. Das Objekt bleibt grundsätzlich im Mietrechtsrahmen, aber die Sanierung soll auch mietrechtlich „sichtbar“ werden, als echter Anreiz statt Symbolik.
- Messbar statt Auslegungssache: Als Kriterium soll ein objektiver Energiestandard dienen. Es muss klargestellt werden, ab wann eine anreizauslösende Sanierung vorliegt. Dies wird ein entscheidender Punkt sein, den die Expertengruppe ausarbeiten wird.
- Sanieren muss im bewohnten Haus möglich sein: Eine gezielte Erweiterung der Duldungspflicht soll Klimamaßnahmen erleichtern – etwa Arbeiten an der Gebäudehülle, die Umstellung auf klimafreundliche Heizsysteme oder die Gewinnung erneuerbarer Energie am Gebäude.
Das ist kein „Mieter gegen Vermieter“, sondern der Versuch, ein reales Problem lösbar zu machen. Wenn Sanierung politisch gefordert wird, muss sie rechtlich machbar und finanziell fair organisiert sein, sonst bleibt sie nur ein guter Vorsatz. Altbauten sind ein großer Teil unserer Wohnrealität. Wenn diese klimafit werden sollen, braucht es Regeln, die Sanierung belohnen, Nichtstun unattraktiver machen und die Kosten so verteilen, dass niemand allein die Last trägt. Genau daran wird sich die Reform messen lassen.


