Aude nova – Futurum digitale: Wage Neues, digitale Zukunft
Weniger Latein, mehr Gegenwart! Und trotzdem kein Abschied vom Humanismus. Wir schaffen Platz für Medienbildung, Demokratie, Informatik und KI.

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Erst acht Stunden Unterricht und danach beginnt für viele Jugendliche der zweite „Schultag“ im Digitalen: ein Clip ohne Kontext, ein Screenshot ohne Quelle, ein KI-Video, das nicht in Frage gestellt wird. Wer hier nicht gelernt hat zu prüfen, einzuordnen und fair zu diskutieren, wird nicht freier, sondern leichter lenkbar.
Genau deshalb sollen die AHS-Lehrpläne modernisiert werden: „Informatik und künstliche Intelligenz“ wird ausgebaut, „Medien und Demokratie“ kommt als neues Fach dazu. Und weil Schule nicht noch mehr „on top“ verkraftet, wird umgeschichtet, vor allem bei den Sprachen. Im Gymnasium soll Latein von zwölf auf acht Wochenstunden über die vier Oberstufenjahre sinken.
Latein bleibt – Humanismus wird erweitert
Die Debatte rund um Latein wirkt wie ein Stellvertreterkrieg: Tradition gegen Gegenwart, „Bildung“ gegen „Skills“. Dabei stimmt beides nur halb. Latein ist eine Kulturtechnik bei der präzise gelesen wird, genau übersetzt wird und sauber argumentiert wird. Das bleibt. Aber humanistische Bildung endet nicht beim Text aus Papier. Sie beginnt dort erst richtig, wo Urteilskraft gefordert ist: im Gespräch, im Konflikt, im digitalen Lärm.
Das neue Ziel ist deshalb kein Abbau, sondern eine Erweiterung: Klassische Textkritik wird ergänzt durch Medienkritik. Nach einem Schultag soll etwas bleiben, das im Leben trägt: Quellen einschätzen, sich eine Meinung bilden, widersprechen ohne zu verletzen, im Team arbeiten, oder auch Verantwortung übernehmen können.
Und ja: Latein hängt auch an ganz praktischen Fragen. Für viele Uni-Studien ist eine Latein-Zusatzprüfung relevant, gleichzeitig wird über Anpassungen diskutiert, weil sich die Voraussetzungen ändern.
Für den Schulweg gilt laut den bisher kommunizierten Eckpunkten: Wer Latein in Unter- und Oberstufe besucht, soll das kleine Latinum weiterhin erreichen; wer erst in der Oberstufe einsteigt, kann es über Wahlpflicht oder Ergänzungsprüfung nachholen.
Reform braucht Partner:innen, nicht Blockade
Die Reaktionen aus der Lehrkräftevertretung sind teils maximal zugespitzt: Es fiel etwa der Satz vom „Anschlag auf das Gymnasium“, außerdem sei der Vorschlag „unausgegoren“. Diese Sorgen wie Tempo, Umsetzbarkeit oder auch Ausbildung nehmen wir ernst. Reformen scheitern nicht an Ideen, sondern an der Realität in den Schulen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Was ist der konstruktive Beitrag und was wäre konkret besser? Denn dann braucht es Vorschläge für bessere Übergänge, Fort- und Weiterbildung, klare Etappenpläne und eine ehrliche Evaluierung: Was funktioniert nach einem Jahr? Was muss nachgeschärft werden?
NEOS reicht hier die Hand: Reformen gemeinsam antreiben – nicht gegeneinander, sondern für Kinder und Jugendliche. Denn um die geht es. Dass Veränderung nicht nur politischer Wille ist, sondern gesellschaftlicher Auftrag, zeigt auch die große Bildungsumfrage des Bundesministerium für Bildung. Hier haben 46.385 Teilnehmende mit einer klaren Mehrheit sich dafür ausgesprochen, bestehende Inhalte zu reduzieren, um Platz für neue Themen zu schaffen und zugleich der Befund, dass soziale Medien als zentrale Belastung wahrgenommen werden und kritisches Denken sowie soziale Kompetenzen ganz oben stehen.
HAK/HAS: Skills, die im Leben halten
Auch in kaufmännische Schulen wird sich etwas ändern müssen. Für HAK/HAS sind neue Lehrpläne mit Fächern wie Economic & Financial Literacy, Rechnungswesen, Datenanalyse und Reporting sowie Business Experience & Future Challenges angedacht.
Der Kern ist bodenständig: früh verstehen, wie Geld funktioniert, wie Verträge gelesen werden, was Zinsen bedeuten und wie später Dinge gelingen, an denen viele im Alltag scheitern, von der ersten Miete bis zur Arbeitnehmer:innenveranlagung. Es sind Antworten auf Fragen, die seit Jahren gestellt werden und die endlich im Unterricht ankommen sollen.
Summa summarum: Latein wird nicht abgeschafft, sondern neu eingeordnet, damit humanistische Bildung nicht nostalgisch bleibt, sondern zeitgenössisch wirkt: in Sprache und im digitalen Raum.
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